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MOB – Mann über Bord

2-Mann-Crew

Jedes Jahr gibt es mehrere tödlich ausgehende Unfälle, bei welchen Crewmitglieder über Bord gingen. Wir müssen deshalb auf "Mann über Bord" vorbereitet sein. Sicher ist es sinnvoll alles zu tun, damit es dazu gar nicht erst kommt. Der Umfang der Maßnahmen ist abhängig von:
- Wetter/Seegang,
- Tageszeit,
- Fahrtgebiet,
- Jahreszeit/Wassertemperatur,
- der Zusammensetzung und Erfahrung der Crew.
Vorbeugend sollten wir (fast)immer die Rettungsweste mit Lifebelt tragen, eine Pfeife, sowie Taschenlampe und vielleicht weitere Signalmittel gesichert am Mann haben.
Bei entsprechendem Wetter/Seegang, vor allem aber wenn wir uns an Deck bewegen, hängen wir uns in Strecktaue oder andere stabile Möglichkeiten ein. Dazu nutzen wir natürlich nicht das laufende Gut.

Welche Probleme stehen vorm Skipper bei „Mann über Bord“?
- Verlust des Sichtkontaktes,
- Durchführung eines Manövers zur Aufnahme,
- Herstellung einer Leinenverbindung zum Verunfallten,
- Bergung des eventuell Verletzten,
- medizinische Versorgung des Geborgenen.

Stellen wir uns nun vor, wir sind zu zweit auf hoher See unter Segeln unterwegs und der Partner geht über Bord. Was ist aus meiner Sicht zu tun?

Grundsätzlich: Ruhe bewahren und cool reagieren. Das geht natürlich nur, wenn ich auf diesen Fall vorbereitet bin.

Standort mit sofort greifbaren Gegenständen z.B. Fendern oder ähnlichen markieren. Es gilt, dicht bei der MOB-Position zu bleiben und Zeit zu gewinnen. Da ich allein bin, ist dazu das Münchner Manöver/Beidrehen das zweckmäßigste. Bei einem Ausgangskurs „Am Wind“ bis „Halbwind“ ca. 2 Schiffslängen auf Halbwindkurs ablaufen und dann das „Beidrehen“ einleiten. Ist mein Ausgangskurs „Raumschot“ oder „Vorwind“ sofort auf am Wind anluven, Fock und falls möglich Großsegel dicht holen und wenn ich mich leicht in Luv von der MOB-Position befinde, das „Beidrehen“ fahren. Im „Beidrehen“ Fock back stehen lassen, am Wind Fahrt abbauen, dann hart Luvruder geben und Großsegel in der Stellung Halbwind lassen. Jetzt sollte ich stabil ca. 2 - 3 Schiffslängen seitlich in Luv vom Verunfallten liegen und in seine Richtung treiben. Ich habe nun „Zeit“ einen Rettungsring/-kragen ohne Leinen auszubringen, die Position mit einer Rettungsboje zu markieren, die MOB- bzw. Mark-Taste am GPS zu drücken, Seenot über DSC auszulösen, die Maschine zu starten und die Bergung vorzubereiten. Allein habe ich nur auf meiner Leeseite eine Chance eine Leinenverbindung herzustellen. Dazu lege ich den Bootshaken und eine Leine bereit. Als günstig erweist sich die Belegung eines Endes der Leine an Bord. Mit Hilfe der Maschine steuere ich nun meine Drift in Richtung des Verunfallten. Kurz bevor ich ihn erreiche, kupple ich die Maschine aus. Mein Ziel ist es, Mitte meines Schiffes die Leinenverbindung herzustellen und den Verunfallten an der Bordwand zu sichern.

Zur Bergung: Eine Bergung über das Heck im Seegang ist nicht möglich. Im Beiliegen bietet sich die Nutzung der Großschot als Talje an. Ob dazu das Großsegel geborgen werden muss, hängt von den konkreten Umständen ab. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung eines Falls oder einer Rettungstalje, welche ich an den Wanten befestige. Der bekleidete Verunfallte wiegt durch das Wasser ca. 50 kg zusätzlich. Falls er kein Lifebelt trägt, muss dieses jetzt angelegt werden. Zur Bergung selbst nutze ich eine Winsch.

Sonderfall

Weitere Manöver bei größerer Crew

Diese Manöver sind von der Ausgangslage abhängig. Dabei lässt sich die Q-Wende immer anwenden.